Mussten Sie sich schon manchmal rechtfertigen, dass Sie Bücher schreiben, also Autor oder Autorin sind?

Es gibt Kollegen und Kolleginnen, die diese Frage klar verneinen – wie die Krimiautorin Ingrid Noll, die sagen kann: „Ich musste mich noch nie rechtfertigen.“ Die Glücklichen!
Für viele aber ist das ein Thema, mit dem sie sich – unfreiwillig – immer wieder konfrontiert sehen. Einige nehmen die Kommentare ihrer Mitmenschen mit Humor. Andere nervt die ständige Frage, ob man denn schon etwas veröffentlicht habe und nun berühmt sei. Die Antworten verraten vorallem eins: dass kaum jemand, der nicht schreibt, eine Vorstellung vom Beruf des Schriftstellers, der Autorin hat. Die Vorurteile, schriftstellernde Menschen, schrieben so vor sich hin, wenn sie gerade mal die Muse küsst, halten sich hartnäckig. Ansonsten hätten sie ja Zeit ‚en masse‘ und seien im Übrigen faul und dabei steinreich.

Die Wahrheit sieht anders aus.

> Ja, häufig. Das Autorendasein ist brotlose Kunst und eine Ausrede für Faulheit. Niemand redet offen darüber, aber die Ansichten sind deutlich an den Gesichtern ablesbar. Es liegt auch daran, dass bei mir seit Jahren hauptsächlich nur kleinere Erfolge auftreten. Würde man viel Geld verdienen, wären alle vom Beruf „Schriftsteller“ überzeugt.
Martina Ernst – Lyrik, Prosa, Krimikurzgeschichten, Kinderbuch

> Es kam schon vor, dass ich gefragt worden bin, warum ich denn so viel Zeit investiere, wenn ich so gut wie nichts verdiene.
Katrin Lachmann – Kurzgeschichten, Thriller, Kinder- und Jugendromane, Fantasy

> Oh ja! Oft! – Auch heute mit 77 noch.
Horst Landau – Lyrik, Erzählungen, Romane, Hörspiele, Features und Reportagen

> Rechtfertigen würde ich mich dafür nicht, genau so wenig, wie ich mich für den Klang meiner Stimme zu rechtfertigen habe. Aber mir ist aufgefallen, dass die meisten Menschen den Beruf des Schriftstellers, Dichters oder allgemein des Künstlers gar nicht als Beruf sehen und/oder anerkennen, sondern eher als eine Spielerei. Oder aber es ist das genaue Gegenteil der Fall und die Leute machen fast einen Knicks vor dir, weil du Künstler und kein „normaler Mensch“ bist.
Manuel Stach – Lyrik, Prosa, Fabeln, Parabeln

> Das Problem ist, dass die Leute mich in dem Beruf des Schriftstellers oft nicht sehen wollen, es mir nicht zugestehen.
Tanja Schurkus – Historische Romane, Romanbiografien, Mystery, mod. Erzählliteratur

> Ich weiss nicht, ob ich [mich rechtfertigen] musste, habe es jedoch getan. Ich fühle mich offensichtlich irgendwie schuldig.
Beat Mundwiler – Autor, Übersetzer, Künstler

> An sich schon, ich hab mich aber nicht dahinein drängen lassen
Bruno Blume – Kinderbücher, Drehbuch, Kalenderblätter, Lyrik

> Wofür denn? Ich bestreite mein Leben mit dieser Arbeit, ich liebe diese Arbeit. Es ist meine Arbeit.
Michèle Minelli – Prosa

> Eigentlich fast immer. Besonders als Anfänger, als es noch keine Veröffentlichungen gab, gab es häufiger Situationen, in denen Rechtfertigungen ‚verlangt‘ wurden. Was ist ein Schriftsteller, den man nicht lesen kann: ein armer Poet. Wenn man denn glauben kann, daß er ein Poet ist. Seit vielen Jahren rechtfertige ich mich aber nicht mehr für meine Arbeit. Die, die auf eine Rechtfertigung warten, verstehen diese Arbeit ohnehin nicht, und alle anderen akzeptieren sie. Außerdem ist es mein Leben, und ich verlange auch keine Rechtfertigung von einem Busfahrer, warum er geworden ist, was er geworden ist.
Sven J. Olsson – Theaterstücke, Reiseerzählung, Romane

> Und dann gibt es die, die deine Bücher wertschätzen, sie aber illegal downloaden oder dir voll Freude erzählen, dass sie es schon mindestens 20mal hergeborgt haben. Denen erkläre ich dann manchmal was von Verdienst, Beteiligung, Zeitaufwand, Urheberrecht und sonstigen Mühsalen des Berufes. Sie bekommen dann meist ganz runde Augen – Kleinarbeit der Aufklärung eben.
Sabina Naber – Kriminalromane, Prosa, Erotik

 

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