Hatten Sie schon einmal eine oder mehrere Schreibblockaden?

 

„Schreibblockaden kenne ich nicht“, kann Alexa Thiesmeyer, Autorin von Kriminalromanen und Theatertexten, sagen. Andere sind der Ansicht, dass es so etwas wie Schreibblockaden gar nicht gäbe; das seien im Grunde genommen Momente von Lustlosigkeit, von Ausgelaugtsein oder mangelhafter Arbeitsplanung. Am Begriff der Schreibblockade scheiden sich die Geister der Schriftsteller und Schriftstellerinnen gewaltig.

Und doch gibt es sie, die echte Schreibblockade. Meist hat sie Ursachen, die nichts mit dem Prozess des Schreibens selbst zu tun haben. Und für den, den es trifft, ist es eine harte und schmerzhafte Zeit.

> Nach viermonatiger Gefangenschaft im Jahr 2010 in der Türkei. Danach konnte ich zwei Jahre lang nur einen Monolog schreiben.
Dogan Akhanli Romane, Theaterstücke, Drehbücher, Essays

> Einmal, das war furchtbar. Erst, als ich mir vornahm, nie mehr zu schreiben, ging es.
Monika Detering – Kriminalromane, Historische Romane, Hörspiel, Kurzgeschichten

> Relire le journal de Virginia Woolf, de Peter Handke, Nietsche … (Indem ich die Tagebücher von Virginia Woolf, Peter Handke und Nietsche noch einmal gelesen habe …; rea)
Loretta Verna – Prosa, Romane

> Ein paar Mal ist es mir geschehen – zum Glück nicht sehr oft -, dass ich den emotionalen Kontakt zu meinen Charakteren verloren habe. Dazu gab es keinen äußeren Anlass, es passierte einfach, und ich konnte nicht weiterschreiben. Ich stellte das betreffende Projekt zurück und widmete mich einem ganz anderen Projekt. In einem Fall schrieb ich stattdessen die „Löwin von Aquitanien“, holte später dann das „Puppenspieler“-Fragment noch einmal hervor, schrieb es um und kam auf diese Weise wieder zu der emotionalen Verbindung zu den Figuren, so dass ich die restlichen zwei Drittel des späteren Romans schreiben konnte. In einem anderen Fall ging ich aber nicht mehr zu dem Fragment zurück; es wird wohl auf ewig eines bleiben.
Tanja Kinkel – Prosa, Kriminalromane, Kinderbücher, Historische Romane
 

> Die schlimmste Schreibblockade meines Schriftstellerlebens habe ich eben hinter mir: Als ich mir das Nikotin entzog, aus Einsicht in die Notwendigkeit, zerfiel meine Handschrift beim Notieren, die Syntax kam mir beim Schreiben abhanden, jeder Satz wurde zur Qual; das dauerte fast zwei Jahre. … Es ist nämlich ein Teufelskreis: Die Einfälle entstehen beim Schreiben, und wenn der Schreibprozess stockt, stockt auch der Fluss der Einfälle. Ein Einfall entsteht aus dem vorherigen Einfall, so wie ein Buch aus dem vorherigen Buch entsteht, es darf nie aufhören! Niemals! Sonst ist man tot; literarisch zumindest. Allmählich auferstehe ich quasi; die Sätze werden wieder länger …
Christoph Geiser – Lyrik und Prosa

 

 

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