Der Grenadier und der stille Tod


Der Grenadier und der stille Tod

Historischer Kriminalroman
Köln: Emons Verlag 2020
ISBN 978-3-7408-0921-8
272 Seiten
€ [D] 13,00 € [A] 13,40
Auch als E-Book erhältlich

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Januar 1772. Halb Karlsruhe verfolgt die Hinrichtung einer Kindsmörderin. Auch Straßenfeger Ignatz ist dabei, dem das Geschehen unter die Haut geht. Kurz darauf wird ein Soldat des badischen Leibgrenadierregiments erschlagen. Für Major von Sandberg ist die Sache klar: Raubmord. Als Täter kommt niemand anderes als der Straßenfeger in Frage. Doch das Verhör endet in einem Fiasko – Ignatz scheint weder hören noch sprechen zu können.

Auch wenn es die Begriffe im 18. Jahrhundert noch nicht gegeben hat – die Themen, die wir heute als Inklusion, Emanzipation und Migration bezeichnen, haben bereits damals die Gemüter bewegt.

>> Ein Weib sprang in das Rund. Ihre Beine stampften, der Rock flog, der Oberkörper drehte und wand sich. Kräftig war die Frau und schön. Bei jedem Schritt schwangen die Haare,
die Hände liebkosten die Luft. Da spürte er die Hand der Buckligen auf der seinen. Die Alte sah ihn nicht an, aber ihre Finger hämmerten auf seinem Handrücken. Toc‑to-to-tocto-
to-toctoctoc, trommelten sie, rhythmisch, aufpeitschend.
Die Berührung durchflutete ihn und riss ihn mit wie damals die Schwingungen im Feierlichen Haus, bevor die Mutter ihn geschlagen hatte und er davongelaufen war. Jetzt ließ er sich
fallen in die Melodie der Finger, ergab sich dem Rausch des scharfen Wassers in seinem Becher, den Wellen, die seinen Körper erfassten. <<

Sie wollte eine patzige Antwort geben, aber auf Deutsch fehlten ihr die Worte, was sie nur umso wütender machte. Nie würde sie hierhergehören, nie. Immer blieb sie ausgeschlossen.
Verstand nichts und wusste sich nicht auszudrücken. Und wer war schuld daran? Die Maïre und die Nonno, alle diese Alten in Palmbach, die sich weigerten, die neue Sprache
zu lernen. <<

LESEPROBE

 

 

 

Auszug aus der Akte Catharina Würbsin des Generallandesarchiv Karlsruhe, GLA 206/3179
Beginn des Verhörs der Beschuldigten am 27. November 1771

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